«Geigenkapelle» ist eine
seltene, volkstümliche Bezeichnung
für eine mit Streichinstrumenten
aufspielende Gruppe von Musikant:innen (1).

Entlang des Alpenbogens hat das Tradition:
Im Ziller- und Passeiertal im Tirol, 
im Schweizer Appenzellerland,
im Engadin, Safien- und Muotatal,
Wallis und Waadtland wie in den Savoyen ...
auf diesen Berghöhen und in diesen tiefen Tälern
dürfte die Geige für lange Zeit
«das beliebteste Tanzinstrument» gewesen sein (2).
Ähnliches könnte für das angrenzende Jura,
die Vogesen und den Schwarzwald gelten.
Vielerorts prägten sich eigenwillige,
regionaltypische Spielpraktiken aus. 

Legenden berichten von den Spielkünsten
der Berg-, Tanz-, Dorf-, Geister- und Wandergeiger.
Sie sollen manche Gesellschaft gut unterhalten,
aber auch berauscht und verführt haben.
In Gotteshäusern sangen die Geigen
für Betende zum Himmel –
das gibt der «Geigenkapelle» ihre zweite Bedeutung.

Hier geht es um beides:
Um rauschende Feste wie besinnliche Feiern
mit vier Saiten, die der Alpenbogen
zum Schwingen bringt.

(1) Analog wie "Blaskapelle"; andere alpenländische Bezeichnungen sind "Streichmusik", "Geigenmusi", "Tanzgeiger", "Fiedler" oder "Violoneux"
(2) Bachmann-Geiser, Geschichte der Schweizer Volksmusik, 2019 (S. 248); im gleichen Sinne Franz Fuchs, www.volksmusikschule.at/instrumente.htm#Geige

Bilder (von links oben, im Uhrzeigersinn):
Musée de l'Oeuvre de Notre Dame, Strassburg (eig. Bild); Abschrift eines Schweizer Kuhreihens (Naturjodel) durch den Geiger G. B. Viotti 1792 (Bibl. Nat. de France); Geige in der Stalltüre eines Bergbauernhofs in den Vogesen, 2024 (eig. Bild); S. Oesch, Bauernmusik, 1919 (Kunstmuseum St. Gallen). Mitte: Peter Stücheli-Herlach als Hochzeitsgeiger auf dem Haldigrat beim Niesen (Kt. Nidwalden), 2025 (C. Müri)
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